Tunneleinhausung der A10 bei Zederhaus: Abdichtungssystem aus Geokunststoffen verhindert Hinterläufigkeit

Die Tauernautobahn A 10 in Österreich zählt zu den wichtigsten Nord-Süd-Verbindungen über die Alpen. Im Zuge zahlreicher Umwelt-Entlastungsmaßnahmen investierte der österreichische Autobahnbetreiber ASFINAG entlang der Naturparkgemeinde Zederhaus in eine anspruchsvolle Lärmschutzmaßnahme. Zur Bewältigung des steigenden Verkehrsaufkommens erhielt das Autobahnteilstück ein 1.545 m langes Tunnelbauwerk in offener Bauweise.

Beginn der Abdichtungsarbeiten

Nicht hinterläufige Doppelabdichtung
Im Rahmen der Ausschreibung für die Tunnelabdichtung hat das Unternehmen Huesker die „Nicht hinterläufige Doppelabdichtung“ entwickelt und damit das vormals ausgeschriebene Abdichtungssystem abgelöst. Dieses hatte den großen Nachteil der Hinterläufigkeit. Das bedeutete, dass sich Wasser im Falle eines Lecks unkontrolliert unterhalb der Abdichtung am Tunnelbeton zwischen den Abschottungsfugenbändern ausbreiten und so das Bauwerk großflächig hätte schädigen können. Dieses Problem wird mit der „Nicht-hinterläufigen Doppelabdichtung“ des Gescher Unternehmens nun nachhaltig verhindert.

Wasser kann über die Querprofilneigung abgeführt werden
Bei dieser Bauweise wird der trapezförmige Spalt zwischen den Tunnelröhren vor Beginn der Abdichtungsarbeiten mit Schüttmaterial aufgefüllt, wodurch ein ganzheitliches radiales Gesamtprofil entsteht. Das Wasser kann so über die Querprofilneigung abgeführt werden. Durch Verzicht  auf die Abschottungsfugenbänder wird eine deutlich bessere Betonqualität erreicht. Als erste Komponente der Doppellabdichtung wurde die Geosynthetische Ton-Dichtungsbahn Tektoseal Clay 5000+ direkt auf der Betonfläche installiert. Hierbei handelte es sich um ein hochentwickeltes, perfekt aufeinander abgestimmtes Geokomposit aus extrem widerstandsfähigen Geokunststoffen mit Natriumbentonit-Granulat. Die 34,5 m langen Bahnen wurden in einem Stück radial und überlappend über das gesamte Bauwerk gelegt. Durch die werksseitig vorgefertigte Kanteneinstreuung mit Bentonit, dichten auch Überlappungen in steilen Bereichen sicher ab. Tektoseal Clay 5000+ bildet eine vollflächige und homogene Dichtungsfläche mit hervorragendem Quellverhalten und Selbstheilungseffekt. Diese Eigenschaften verhindern im direkten Pressverbund mit dem Beton das unkontrollierte Ausbreiten von Wasser auf der Betonfläche.

Geosynthetische Ton-Dichtungsbahn ist zweite Dichtebene
Als zweite Systemkomponente wurde die PE-HD Kunststoffdichtungsbahn, ebenfalls in 34,5 m langen Bahnen, direkt auf der Geosynthetischen-Ton-Dichtungsbahn eingebaut. Auch hier ist eine schnelle und leichte Produktinstallation dank vorkonfektionierter Rollenware gewährleistet. Durch entsprechende Überlappungen wurden die einzelnen Kunststoffdichtungsbahnen problemlos maschinell mit einer prüffähigen Heizkeil-Doppelnaht verschweißt. Die ausschließlich radial geführten Schweißnähte sind mittels Druckluft prüfbar. Im Fall einer Leckage der Kunststoffdichtungsbahn wirkt die darunter liegende Geosynthetische Ton-Dichtungsbahn Tektoseal Clay als zuverlässige zweite Dichtebene und bietet damit doppelte Sicherheit. Zum Schutz des Abdichtungssystems und zur druckfreien Ableitung von Niederschlagswasser wurde zusätzlich ein dreischichtiges Geokomposit – bestehend aus zwei außenliegenden Vliesstoffen mit je 200 g/m2 und einem innenliegenden druckstabilen PE-HDDrainageelement direkt auf der Doppelabdichtung installiert. Nach den Abdichtungsarbeiten wurde der gesamte in offener Bauweise errichtete Tunnel mit rund 260.000 Kubikmetern Erde überschüttet und begrünt. Für die Einwohner der Gemeinde Zederhaus bedeutet die Realisierung der Einhausung mit der einhergehenden Verringerung der Lärmemissionen einen deutlichen Gewinn an Lebensqualität.

 

Weitere Informationen: www.huesker.de

4.12.2017